Nachhaltige Mobilität
Mulitimodaler Verkehr verbindet Öffis, Car-Sharing & E-Bikes
Unter dem Begriff multimodaler Verkehr wird die Nutzung verschiedener Verkehrsmittel innerhalb eines bestimmten Zeitraums bezeichnet.[1] Dabei wird die Beförderung von Personen oder der Transport eines Gutes innerhalb der Zeitscheibe
mit zwei oder mehr unterschiedlichen Verkehrsträger
n vollzogen. Diese Organisationsform wird auch als gebrochener Verkehr bezeichnet und steht im Gegensatz zum Direktverkehr (ungebrochener Verkehr).[2] Eine besondere Form des multimodalen Verkehrs ist der intermodale Verkehr
. Im Personenverkehr findet dabei eine Verkettung der Verkehrsmittel innerhalb eines Weges statt.[3]
"tim" soll ab 2019 in Linz Öffis und Autoverkehr verbinden
Linz AG beginnt Mitte 2019 mit dem Aufbau nach Vorbild Graz – 9 Standorte bis Ende 2021 geplant
Im Jahr 2019 wird "tim" in Linz Einzug halten. Die Abkürzung steht für "täglich intelligent mobil", dahinter versteckt sich ein Carsharing-Konzept. Entwickelt wurde es in Graz (mit der Bezeichnung KombiMo II bzw. "kombinierte Mobilität"), wo es bereits 2016 umgesetzt wurde. Ab 2019 soll es auch in Linz aufgebaut werden. Und so funktioniert das System: An sogenannten multimodalen Knoten stehen Leihautos zur Verfügung. Auf diese können die Nutzer von den öffentlichen Verkehrsmitteln oder vom Fahrrad umsteigen. Mit den Öffis ist nicht jedes Ziel im Stadtgebiet gut erreichbar, die Leihwagen sollen eine Alternative zum Zweitauto bieten. Die Standorte befinden sich in der Nähe von Öffi-Stationen. Dort stehen jeweils zwei E-Autos, zwei Autos mit Verbrennungsmotoren und ein Leihwagen für längere Fahrten zur Verfügung. Zusätzlich gibt es E-Ladestationen und Fahrradabstellplätze.[4]
Fünf multimodale Knoten bis Ende 2020: Hauptplatz, Linz AG Center, Uni, Grüne Mitte und Tabakfabrik
"Zunächst sollen von Mitte 2019 bis Ende 2020 fünf Knoten eingerichtet werden", sagte Linz-AG-Vorstandsdirektorin Jutta Rinner. Diese befinden sich am Hauptplatz, beim Linz AG Center in der Wiener Straße, bei der Uni, der Grünen Mitte und der Tabakfabrik. Bis Ende 2021 sollen vier weitere Punkte dazukommen, die allerdings noch nicht feststehen. Die Kunden melden sich bei der Linz AG an und bezahlen eine monatliche Grundgebühr. "Wie bei einem Handyvertrag", erklärte Albert Waldhör, Geschäftsführer der Linz AG Linien. Bucht man ein Auto, fällt eine Leihgebühr an.[4]
In Graz Grundgebühr sieben Euro, Leihgebühr ab vier Euro pro Stunde
Die Linzer Tarife stehen noch nicht fest, in Graz beträgt die Grundgebühr sieben Euro, die Leihgebühr ab vier Euro pro Stunde.
Die Autos sind an eine bestimmte Station gebunden, sie müssen also dorthin zurückgebracht werden, wo sie ausgeliehen wurden. Buchen kann man sie via Computer oder App, indem man sich in einen Online-Kalender einträgt. Insgesamt drei Millionen Euro will die Linz AG in den Aufbau der ersten neun Standorte investieren. "Darin ist das gesamte Projekt, inklusive Fuhrpark, Ladestellen etc., enthalten", sagt Rinner. Vom Verkehrsministerium gibt es eine Förderzusage in der Höhe von 1,1 Millionen Euro für Linz, sagt Rinner: "Es ist ein zeitgemäßes System, das eine Form von alternativer Mobilität bieten soll."[4]
Elektromobilität
Förderung (Elektro)Lastenfahrräder & (Elektro)Fahrradanhänger
Eine der höchsten Lasten-Fahrrad-Förderungen in Österreich vergibt die Stadt Linz.[5]
Was wird gefördert
Die Stadt Linz unterstützt Privatpersonen, Fahrgemeinschaften, Betriebe / Organisationen etc. (mit Standort bzw. Hauptwohnsitz in Linz) beim Kauf von
- Lastenfahrrädern,
- Elektro-Lastenfahrrädern (in Kooperation mit der Linz AG)
- Elektro-Lastenfahrradanhängern (in Kooperation mit der Linz AG)
- und Fahrradanhängern.
Gebietskörperschaften werden jedoch nicht gefördert!
Vorgangsweise:
- Antrag mit unten stehendem Formular herunterladen[5]
- Förderungsantrag inklusive Beilagen an
- Magistrat Linz
- Planung, Technik und Umwelt - Umweltmanagement
- Hauptstraße 1-5, 4041 Linz
- bzw. via E-Mail an um.ptu@mag.linz.at senden. Näheres zu den Förderbedingungen bzw. zur Abwicklung der Förderung entnehmen Sie bitte den Erläuterungen beim Förderformular.[5]
Förderhöhe:
Die Förderhöhe beträgt 30 % der Investitionskosten.[5]
Maximale Förderhöhe:
- Lastenfahrrad: 800,-- Euro
- E-Lastenfahrrad: 1.000,-- Euro
- E-Lastenfahrradanhänger: 1.000,-- Euro
- Fahrradanhänger: 150 Euro
Unter besonderen Umständen (z.B. Bildung von Fahrgemeinschaften für angekaufte Lastenfahrräder, Anschaffung von Lastenfahrrädern für Betriebe und Organisationen, wenn dadurch bestehende Kraftfahrzeuge ersetzt werden) sind abweichende Förderungen möglich.[5]
Hinweis:
Herkömmliche Elektrofahrräder, die nicht als Lastenfahrräder verwendet werden, werden nicht gefördert.[5]
Rechtliche Hürden für Nachrüstung von E-Ladestationen in Linzer Wohnanlagen
Der Bundesverband Elektromobilität fordert Änderungen im Wohnungseigentums- und im Mietrechtsgesetz
Im Wohnbereich sieht die 2018 vom damaligen Wohnbaustadtrat Michael Ludwig (SPÖ) und Grünen-Gemeinderat Christoph Chorherr vorgestellte Novelle der Wiener Bauordnung nachrüstbare E-Ladestellen in Neubauten vor. Leider können diesbezüglich Wohnungseigentümer in Linz noch nicht auf ähnliche Weichenstellungen zur Errichtung von E-Ladestationen in Tiefgaragen von Eigentumswohnanlagen hoffen. Im Bestand, insbesondere in mehrgeschoßigen Wohnanlagen, sei aber auch in Wien noch viel zu tun, sagt Roland Ziegler, Sprecher des Bundesverbands Elektromobilität (BEÖ). Denn am praktischsten sei ein Stromladeanschluss für das E-Auto natürlich direkt am Wohnort.
[6]
Zustimmung aller Eigentümer
"Was für private Hausbesitzer relativ einfach machbar ist, kann für jene, die in einer Wohnung leben, fast unmöglich sein", so Ziegler. Vor allem wenn es sich um ein Mehrparteienhaus oder eine Wohneigentümergemeinschaft handelt. "Ohne die Zustimmung aller Eigentümer geht meist gar nichts. Sie müssen ihre Zustimmung geben – und in der Regel auch die mobilitätstechnische Aufrüstung zahlen." Der Bundesverband, dem elf Energieversorgungsunternehmen in Österreich angehören, fordert deshalb Änderungen im Wohnrecht. "Ähnlich wie bei der Wohnrechtsnovelle 2002, bei der der Zugang zum Internet erleichtert wurde, ist es jetzt notwendig, das Wohnrecht wieder einem Modernisierungscheck zu unterziehen. Die Umsetzung gewünschter technologischer Entwicklungen wie Elektromobilität oder die Einführung intelligenter dezentraler Energiesysteme wird ohne die entsprechenden Gesetzesänderungen im Wohnrecht nicht funktionieren", ergänzt Daphne Frankl-Templ, Expertin für Rechtsfragen der Elektromobilität in der Rechtsanwaltskanzlei Templ.[6]
Rasche Änderungen im Wohnungeeigentumsgesetz (WEG 2002) erforderlich
Aus Sicht des BEÖ sind daher rechtliche Änderungen raschest notwendig. "Die Nachrüstung einer privaten Ladeinfrastruktur muss ähnlich wie die Privilegierung von Multimediadiensten im Wohnungseigentumsgesetz (Paragraf 16) und Mietrechtsgesetz (Paragraf neun) einfacher werden, damit der Umstieg auf Elektromobilität gelingen kann", so Ziegler.[6] [7]
Maßnahmen für Radfahrer
Radhauptroute von Alkoven über Leonding zum Linzer Bahnhof (Baustart 2021)
Mit dem Rad von Alkoven nach Linz zu fahren ist – vor allem in Linz – nicht ungefährlich. Das soll sich in Zukunft ändern, verspricht Infrastruktur-Landesrat Günther Steinkellner (FP). Er plant eine neue Radhauptroute, die die Radler von Straßham in der Gemeinde Alkoven zum Linzer Hauptbahnhof führen wird. „Von dort ist dann die Hitzinger Kreuzung in Wilhering in gut 25 Minuten erreichbar“, stellt der Landesrat in Aussicht.[8]
Radweg in der Waldeggstraße schon im Sommer 2019
Das erste Teilstück soll schon im Sommer 2019 gebaut werden. Die Linzer Waldeggstraße galt bisher für Radler wegen des hohen Verkehrsaufkommens und der vielen Kreuzungen als besonders gefährlich. Nun wird schon während der Sommermonate 2019 um 350.000 Euro ein ein Kilometer langer Radstreifen entlang der Waldeggstraße errichtet. Er mündet auf Höhe der Ziegeleistraße in eine Busspur, die von den Radlern benutzt werden kann (siehe Grafik in [8]). Dieser Streifen, der auch den Fußgehern zur Verfügung steht, ist allerdings nur ein Provisorium. Denn in einigen Jahren wird an dieser Stelle der Westring errichtet.[8]
Gerhard Prieler von Radlobby Linz ist dennoch froh über die Maßnahme. „Wir haben seit Jahren darauf gedrängt. Damit wird die Sicherheit wesentlich erhöht“, sagt Prieler. Kritikpunkte gibt es dennoch: Der Streifen ist für einen Geh- und Radweg, der in zwei Richtungen führt, mit einer Breite von drei Metern schmal, die Radler müssen die Waldeggstraße einmal (in Richtung Linz) bzw. zweimal (falls jemand vom Hauptbahnhof in Richtung Leonding fährt) queren.[8]
Zwei insgesamt 4 Kilometer lange Strecken in Leonding könnten ab Frühjahr 2021 gebaut werden
Der weitere Ausbau der Radhauptroute ist noch etwas unkonkreter: Für die restlichen zwölf Kilometer, die weitgehend entlang der Lilo-Trasse geführt werden sollen, gibt es zwar eine mögliche Trasse (siehe Grafik in[8]). An den Detailplanungen wird aber erst gearbeitet. Dies muss das Land gemeinsam mit den fünf Gemeinden Leonding, Wilhering, Pasching, Kirchberg/Thening und Alkoven durchführen. Als erste Teilstücke sind zwei insgesamt vier Kilometer lange Strecken in Leonding geplant. Diese könnten ab Frühjahr 2021 gebaut werden. Für Gerhard Prieler ein langer Zeitraum: „Die Planung läuft sehr schleppend. Wir würden uns mehr Tempo wünschen.“[8]
Lösungsansätze anderer Städte
Zürich ändert Gemeindeordnung: Bis 2030 null CO2-Emissionen
Die Stadt Zürich will ihre Klimapolitik neu ausrichten: Bis 2030 soll «Netto Null CO2-Emissionen» gelten. Dies soll in der Gemeindeordnung festgehalten werden. Um diese zu ändern, braucht es eine Volksabstimmung.[9]
Beschluss im Stadt-Parlament mit 85 zu 29 Stimmen am 22.5.2019
SP, Grüne, GLP, AL und EVP sind überzeugt, dass die globale Klimaveränderung ein entschlossenes Handeln der Stadt-Politik von Zürich verlangt. Es sei wichtig, einen Grundstein dafür zu legen. Dies soll geschehen mit der Motion «Festlegung einer stringenten Klimapolitik in der städtischen Verfassung mit dem Ziel einer Reduktion des CO2-Ausstosses pro Einwohnerin und Einwohner auf Null bis ins Jahr 2030». Diese Motion wurde am Mittwoch, dem 22. Mai 2019 mit 85 Ja- zu 29 Nein-Stimmen vom Stadt-Parlament an den Stadtrat überwiesen. Der Stadtrat muss nun eine Vorlage mit gewissen Eckpunkten ausarbeiten: Während es den Parteien nach wie vor richtig erscheint, den Energieverbrauch auf 2000 Watt zu begrenzen, müsse das Klimaziel «neu definiert werden»: Netto Null CO2-Emissionen bis 2030 lautet der neue Richtwert.[9]
Mobilität und Energieversorgung ohne fossile und nukleare Energie
Netto Null bedeutet, dass keine fossilen Emissionen mehr in die Atmosphäre gelangen. Für die Stadt Zürich heisst dies, dass der Primärenergieverbrauch bei der Mobilität, bei Gebäuden, beim Konsum, bei der Siedlungsentwicklung und der Energieversorgung konsequent ohne fossile und nukleare Energie gedeckt werden müsste. Die Massnahmen, um dies zu erreichen, sollen sozialverträglich umgesetzt werden. Denn allen im Parlament war klar, «dass es Ökologie nicht gratis gibt».
Den Motionsparteien ist auch bewusst, dass ebenfalls die übergeordneten kantonalen und nationalen Ebenen wirkungsvolle Massnahmen ergreifen müssen, «um den Klimawandel in der Schweiz entschieden zu bekämpfen».[9]
Stadtrat will mit Szenario-Analyse klären, ob und bis wann das Ziel erreichbar ist
Der Stadtrat steht der überwiesenen Motion «Festlegung einer stringenten Klimapolitik in der städtischen Verfassung mit dem Ziel einer Reduktion des CO2-Ausstosses pro Einwohnerin und Einwohner auf Null bis ins Jahr 2030» aufgeschlossen gegenüber. Im Rahmen der Beantwortung dieses Vorstosses wird er das Szenario «Null Tonnen CO2» entwickeln, wie Stadtrat Andreas Hauri (GLP), Vorsteher des Gesundheits- und Umweltdepartementes, sagte. Die Szenario-Analyse werde dann aufzeigen, ob und in welchem Zeitraum und mit welchen Konsequenzen das verschärfte Ziel zu erreichen wäre.[9]
Weitere Informationen
Siehe auch
Web-Links
Einzelnachweise
- ↑ Charakterisierung multi- und intermodaler Verkehrsteilnehmer
- ↑ Sebastian Kummer: Einführung in die Verkehrswirtschaft. UTB Verlag, 2006, ISBN 3-8252-8336-4, S. 48.
- ↑ Multimodaler Verkehr
, Wikipedia, abgerufen am 26.5.2019
- ↑ Hochspringen nach: 4,0 4,1 4,2 Auto nutzen statt besitzen: Linz bekommt ein Carsharing-System, OÖN, 25. Oktober 2018, abgerufen am 26.5.2019
- ↑ Hochspringen nach: 5,0 5,1 5,2 5,3 5,4 5,5 Förderung (Elektro)Lastenfahrräder & (Elektro)Fahrradanhänger in Linz, Linz.at, abgerufen am 4.5.2019
- ↑ Hochspringen nach: 6,0 6,1 6,2 Rechtliche Hürden für Nachrüstung von E-Ladestationen, derStandard.at, 25. Mai 2018, abgerufen am 4.5.2019
- ↑ Nachhaltige Politik: Wohnen - Wohnungseigentumsgesetz
- ↑ Hochspringen nach: 8,0 8,1 8,2 8,3 8,4 8,5 Eine neue Straße für die Radler nach Linz, OÖN, Herbert Schorn, 22. Mai 2019, abgerufen am 22.5.2019
- ↑ Hochspringen nach: 9,0 9,1 9,2 9,3 Stadt Zürich soll noch mehr für das Klima tun, Gemeindeordnungsänderung mit Volksabstimmung:
. Bis 2030 soll «Netto Null CO2-Emissionen» gelten, 22.5.2019, abgerufen am 25.5.2019